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Gemüse beisst nicht
von Doris Hofner-Foltin

Leseprobe aus "Gemüse beisst nicht"

Bauernweisheit

Oft erzähle ich unseren Gästen Episoden, die wir mit Tieren erlebt haben und dann denke ich mir, dass ich diese Story auch noch aufschreiben könnte. So auch heute bei einem Telefonat mit einer Dame, die etwas kampfsüchtige Meerschweinchenbuben - auch Böcke genannt - bei sich beherbergt. Die Beiden dürften zu der Sorte meerschweinische Kampfhähne gehören und so wurde ich um Rat gefragt. Ich kenne dieses Problem allerdings nur von Hasen, die mit neuen Artgenossen gar nicht friedlich umzugehen pflegen. Es ist immer mehr als mühsam, neue Tiere zu integrieren. Bei Meerschweinchen ergab sich dieses Problem noch nie - ich muss ganz schnell auf Holz klopfen. Eines Tages machte ich in der Tierarztpraxis die Bemerkung, dass ich wieder Schwierigkeiten hatte, eine Hasendame in meine schon vorhandene Hasenrasselbande zu integrieren. Da meinte die Assistentin nur, ich solle doch alle Tiere mit Schnaps einreiben, dann ist sofort Ruhe, da alle den gleichen Geruch haben. Das sei eine alte Bauernweisheit, die sie bereits von ihrem Großvater übernommen hatte, berichtete mir Frau Grösser. Gesagt, getan. Ich kaufte den billigsten Fusel den es gab, damit ich nicht Gefahr lief, dass der von einigen Herren des Hauses durstmäßig verwendet wird. Daheim angekommen, marschierte ich bewaffnet mit dem Feuerwasser sofort in den Stall, um den Schnapstipp zu testen. Ich fing einen Hasen nach dem anderen ein und fuhr mit meiner Handfläche, die ich vorher mit Schnaps eingerieben hatte, über das Fell der Tiere - von den Löffeln bis zur Blume. Im Hasenstall stank es nach vollbrachter Tat wie in einer Schnapsbrennerei. Zwei der langohrigen Herrschaften ignorierten den Trick und kämpften weiter. So schnappte ich die Beiden, setzte sie in einen Katzentransportkäfig, stellte diesen auf den Beifahrersitz in mein Auto und fuhr los. Die Idee von mir war folgende: Katzenkorb heißt immer zum Tierarzt fahren und das mögen auch Hasen nicht und meist sind sie froh, nicht alleine im Korb zu sitzen und oft kehrt auch Ruhe ein. Mit dem Schnaps und der Autofahrt hatte ich beide sehr schnell im Griff und ich fuhr wieder heimwärts. Im Auto roch es nach Brantweinhalle und wie es der Zufall so wollte, wurde ich von der Gendarmerie aufgehalten. Ich öffnete das Fenster und der Gendarm wich einen Schritt zurück. "Na was hamma denn getrunken, Gnä´ Frau?" wollte er wissen. "Ich habe nichts alkoholisches zu mir genommen," antwortete ich ganz ruhig. "Und woher kommt dieser entsetzliche Schnapsgeruch?" "Na von meinen Hasen," antwortete ich ganz sachlich. "Ah, von den Hasen, diese Ausrede kenne ich noch nicht, aber bitte, einfallsreich dürften sie sein. Also was haben sie an Promillen in sich? Machen's kan Tanz, wos hom's g´soffen?" Da mischte sich der Kollege ein: "Geh´, steigen's amoi aus." Weiterhin dementierte ich Alkoholkonsum und weiterhin wurde ich als alkoholisierte Fahrerin, die nicht ganz dicht ist, behandelt. Die Herren wollten auch absolut nicht an meinen Hasen riechen, mit den Worten "Wir lassen uns doch nicht von einer B´soffenen verar..." Langsam wurde ich zornig, da ich so viel Sturheit nicht vertrage und je mehr ich motzte, umso höher wurde die Strafe. Die Hasen waren bereits friedlich eingeschlafen. Natürlich blieb es nicht aus, in das Röhrl zu blasen und nachdem klarerweise keine Verfärbung erfolgt war, musste ich zur Blutabnahme. Ich begehrte auf, aber es blieb mir nichts anderes übrig, als mit den beiden Gendarmen mitzufahren. Natürlich ließ ich meine Hasen nicht in meinem Auto zurück. Das passte den beiden Wachorganen so überhaupt nicht, aber ich gab nicht nach und die Hasen kamen mit, basta! In nur wenigen Minuten war auch das Dienstfahrzeug von Obstlergestank überflutet und die Polizisten keppelten drauf los, wie man nur um diese Tageszeit schon einen sitzen haben könne. Ich keppelte zurück und die Hasen schliefen immer noch unbeeindruckt von der heftigen Diskussion. Die Blutabnahme war kurz und schmerzvoll, da der Arzt diese Amtshandlung schon länger nicht getätigt haben dürfte. Das Ergebnis war klar, kein Alkohol im Blut. Jedoch man traute dem Befund nicht. Die Gendarmen forderten eine neuerliche Blutabnahme, aber da verweigerte ich und zog alle meine Register meines keiferischen Könnens ... und die Hasen schliefen immer noch. Irgendwie dürfte ich alle Mitarbeiter auf diesem Posten so genervt haben, dass ich entlassen wurde und man verzichtete auf eine Geldstrafe, die ich ohnehin nicht bezahlt hätte, vorerst einmal. Zu meinem Auto durfte ich zu Fuß laufen und das mit zwei schnarchenden Hasen. Daheim angekommen, waren die beiden Häschen die dicksten Freunde und es stellt sich mir die Frage: War es der Schnaps? War es die Auseinandersetzung mit der Gendarmerie? Oder war es einfach nur der Katzenkorb und die Autofahrt? Vielleicht war es aber auch alles zusammen, wer weiss? Hauptsache jedoch ist, dass wieder Friede im Hasenstall ist. Vorige Woche rief mich der Postenkommandant an, der seinen Kindern zwei Hasen schenkte. Die beiden Tiere vertragen sich überhaupt nicht und er klagte mir seine Ängste und stellte mir die Frage: "Sagen's, Frau Hofner, wie war das mit den Hasen und dem Schnaps?" Schau an, schau an! Meine Empfehlung: "Sie reiben die Streithanseln zunächst mit Schnaps ein, setzen die beiden wieder in ihren Stall und gehen anschließend zur Blutabnahme. Grüß Gott!"