Leseprobe
aus "Gemüse beisst nicht"
Bauernweisheit
Oft erzähle ich unseren Gästen Episoden, die wir mit Tieren
erlebt haben und dann denke ich mir, dass ich diese Story
auch noch aufschreiben könnte. So auch heute bei einem
Telefonat mit einer Dame, die etwas kampfsüchtige Meerschweinchenbuben
- auch Böcke genannt - bei sich beherbergt. Die Beiden
dürften zu der Sorte meerschweinische Kampfhähne gehören
und so wurde ich um Rat gefragt. Ich kenne dieses Problem
allerdings nur von Hasen, die mit neuen Artgenossen gar
nicht friedlich umzugehen pflegen. Es ist immer mehr als
mühsam, neue Tiere zu integrieren. Bei Meerschweinchen
ergab sich dieses Problem noch nie - ich muss ganz schnell
auf Holz klopfen. Eines Tages machte ich in der Tierarztpraxis
die Bemerkung, dass ich wieder Schwierigkeiten hatte,
eine Hasendame in meine schon vorhandene Hasenrasselbande
zu integrieren. Da meinte die Assistentin nur, ich solle
doch alle Tiere mit Schnaps einreiben, dann ist sofort
Ruhe, da alle den gleichen Geruch haben. Das sei eine
alte Bauernweisheit, die sie bereits von ihrem Großvater
übernommen hatte, berichtete mir Frau Grösser. Gesagt,
getan. Ich kaufte den billigsten Fusel den es gab, damit
ich nicht Gefahr lief, dass der von einigen Herren des
Hauses durstmäßig verwendet wird. Daheim angekommen, marschierte
ich bewaffnet mit dem Feuerwasser sofort in den Stall,
um den Schnapstipp zu testen. Ich fing einen Hasen nach
dem anderen ein und fuhr mit meiner Handfläche, die ich
vorher mit Schnaps eingerieben hatte, über das Fell der
Tiere - von den Löffeln bis zur Blume. Im Hasenstall stank
es nach vollbrachter Tat wie in einer Schnapsbrennerei.
Zwei der langohrigen Herrschaften ignorierten den Trick
und kämpften weiter. So schnappte ich die Beiden, setzte
sie in einen Katzentransportkäfig, stellte diesen auf
den Beifahrersitz in mein Auto und fuhr los. Die Idee
von mir war folgende: Katzenkorb heißt immer zum Tierarzt
fahren und das mögen auch Hasen nicht und meist sind sie
froh, nicht alleine im Korb zu sitzen und oft kehrt auch
Ruhe ein. Mit dem Schnaps und der Autofahrt hatte ich
beide sehr schnell im Griff und ich fuhr wieder heimwärts.
Im Auto roch es nach Brantweinhalle und wie es der Zufall
so wollte, wurde ich von der Gendarmerie aufgehalten.
Ich öffnete das Fenster und der Gendarm wich einen Schritt
zurück. "Na was hamma denn getrunken, Gnä´ Frau?" wollte
er wissen. "Ich habe nichts alkoholisches zu mir genommen,"
antwortete ich ganz ruhig. "Und woher kommt dieser entsetzliche
Schnapsgeruch?" "Na von meinen Hasen," antwortete ich
ganz sachlich. "Ah, von den Hasen, diese Ausrede kenne
ich noch nicht, aber bitte, einfallsreich dürften sie
sein. Also was haben sie an Promillen in sich? Machen's
kan Tanz, wos hom's g´soffen?" Da mischte sich der Kollege
ein: "Geh´, steigen's amoi aus." Weiterhin dementierte
ich Alkoholkonsum und weiterhin wurde ich als alkoholisierte
Fahrerin, die nicht ganz dicht ist, behandelt. Die Herren
wollten auch absolut nicht an meinen Hasen riechen, mit
den Worten "Wir lassen uns doch nicht von einer B´soffenen
verar..." Langsam wurde ich zornig, da ich so viel Sturheit
nicht vertrage und je mehr ich motzte, umso höher wurde
die Strafe. Die Hasen waren bereits friedlich eingeschlafen.
Natürlich blieb es nicht aus, in das Röhrl zu blasen und
nachdem klarerweise keine Verfärbung erfolgt war, musste
ich zur Blutabnahme. Ich begehrte auf, aber es blieb mir
nichts anderes übrig, als mit den beiden Gendarmen mitzufahren.
Natürlich ließ ich meine Hasen nicht in meinem Auto zurück.
Das passte den beiden Wachorganen so überhaupt nicht,
aber ich gab nicht nach und die Hasen kamen mit, basta!
In nur wenigen Minuten war auch das Dienstfahrzeug von
Obstlergestank überflutet und die Polizisten keppelten
drauf los, wie man nur um diese Tageszeit schon einen
sitzen haben könne. Ich keppelte zurück und die Hasen
schliefen immer noch unbeeindruckt von der heftigen Diskussion.
Die Blutabnahme war kurz und schmerzvoll, da der Arzt
diese Amtshandlung schon länger nicht getätigt haben dürfte.
Das Ergebnis war klar, kein Alkohol im Blut. Jedoch man
traute dem Befund nicht. Die Gendarmen forderten eine
neuerliche Blutabnahme, aber da verweigerte ich und zog
alle meine Register meines keiferischen Könnens ... und
die Hasen schliefen immer noch. Irgendwie dürfte ich alle
Mitarbeiter auf diesem Posten so genervt haben, dass ich
entlassen wurde und man verzichtete auf eine Geldstrafe,
die ich ohnehin nicht bezahlt hätte, vorerst einmal. Zu
meinem Auto durfte ich zu Fuß laufen und das mit zwei
schnarchenden Hasen. Daheim angekommen, waren die beiden
Häschen die dicksten Freunde und es stellt sich mir die
Frage: War es der Schnaps? War es die Auseinandersetzung
mit der Gendarmerie? Oder war es einfach nur der Katzenkorb
und die Autofahrt? Vielleicht war es aber auch alles zusammen,
wer weiss? Hauptsache jedoch ist, dass wieder Friede im
Hasenstall ist. Vorige Woche rief mich der Postenkommandant
an, der seinen Kindern zwei Hasen schenkte. Die beiden
Tiere vertragen sich überhaupt nicht und er klagte mir
seine Ängste und stellte mir die Frage: "Sagen's, Frau
Hofner, wie war das mit den Hasen und dem Schnaps?" Schau
an, schau an! Meine Empfehlung: "Sie reiben die Streithanseln
zunächst mit Schnaps ein, setzen die beiden wieder in
ihren Stall und gehen anschließend zur Blutabnahme. Grüß
Gott!"